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Ist der „Gelbe Schein“ bald Geschich­te?

10.11.2019 12:16:00

Es ist 6:00 Uhr morgens und der Wecker klingelt. Man steht auf und merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Ein Schlappheitsgefühl und generelles unwohl sein. Am liebsten würde man nur noch zurück ins Bett und sich ausruhen. Doch erstmal schnell den Chef anrufen und ihn über die Arbeitsunfähigkeit informieren.

Spätestens aber nach dem dritten Krankheitstag wird der Arbeitgeber wegen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung drängeln. Das bedeutet für den Arbeitnehmer:

  • Arbeitsunfähigkeit vom Arzt bescheinigen lassen
  • Krankmeldungen eintüten
  • Briefmarke kaufen
  • Briefkasten aufsuchen

Vereinzelt bieten Krankenkassen schon einen digitalen Versand an, bei dem die Krankmeldung per App eingescannt werden kann. Aber den Politikern geht es nicht nur um den Zeitaufwand…

Die Koalition aus CDU und SPD will einen Bürokratie-Abbau herbeiführen. Wirtschaftsminister Altmaier plant in dem Zuge die Abschaffung des sogenannten „Gelben Scheins“. Mit der neuen elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, soll in Zukunft alles digital ablaufen.

Warum soll das Verfahren der Krankmeldung digitalisiert werden?

Bei Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wird diese immer in vierfacher Ausführung gedruckt. Ein Exemplar ist für die Krankenkasse, eins für den Arbeitgeber, eins für den Arbeitnehmer und eine Ausführung zum Verbleib beim Arzt.

Laut sueddeutsche.de wurden 2017 in Deutschland etwa 77 Millionen Krankenscheine ausgestellt. Somit wird für die Krankmeldung nicht nur viel Papier verbraucht, es bedeutet im Gegenzug auch viel Bürokratie.

Ebenfalls hat der krankgeschriebene Arbeitnehmer dazu noch einen nicht unerheblichen Zeitaufwand, um die Krankmeldung an seine Krankenkasse und den Arbeitgeber weiterzuleiten.

AU_Bescheinigung

 

Wie funk­tio­niert die elek­tro­nische Arbeits­unfähigkeits­beschei­nigung?

Zukünftig soll die Krankmeldung nur noch digital übermittelt werden. Mit Hilfe einer neuen Praxissoftware und einer technischen Schnittstelle soll die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung direkt an die Krankenkasse gesendet werden. Die Übermittlung erfolgt dabei absolut sicher dank modernster Verschlüsselungstechnologie.

Der Arbeitgeber soll die Krankmeldung dann online über das jeweilige Krankenkassen-Portal einsehen können. Somit würde er Informationen zum Beginn und die voraussichtliche Dauer der Krankschreibung erhalten. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Entgeltfortzahlung endet, werde mit angezeigt. Lediglich Diagnosen sollen nicht weitergegeben werden.

Ärger wegen einer zu spät abgegebenen AU soll so vermieden werden. Auch der Gang zum Briefkasten sowie die Portokosten bleiben dem Arbeitnehmer erspart.

Die Techniker Krankenkasse testet das neue Verfahren bereits in 500 Arztpraxen. In diesen Arztpraxen ist es bereits möglich, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung digital von der Arztpraxis an die Krankenkasse übermitteln zu lassen. Der Arbeitgeber wird wie bisher noch mittels des gewohnten gelben Scheins informiert.

Bereits 18.000 Krankmeldungen sollen so schon an die Krankenkassen übermittelt worden sein und die Rückmeldungen seien bisher positiv.

Vorteile der elek­tro­nischen Arbeits­unfähigkeits­beschei­nigung

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung soll viele Vorteile mit sich bringen:

+  Weniger Zeitaufwand für den Arbeitnehmer
Abbau Bürokratie bei den Arztpraxen und den Unternehmen
+  Schonung der Ressourcen (Zeit, Papier, Geld)
+  Krankenzeiten werden lückenlos dokumentiert
+  Entlastung der Personalabteilung

 

Einiges ist aber auch noch ungeklärt…

Unklar ist, ob jede Krankenkasse über ein eigenes Portal die Bescheinigungen bereitstellt oder ob es ein Portal geben wird, das von allen gemeinsam genutzt wird.

Auch inwiefern der Patient selbst mitbestimmen kann, welche Daten sein Arbeitgeber abrufen kann und über welchen Zeitraum, muss noch festgelegt werden.

Rebekka Hoffmann

Geschrieben von Rebekka Hoffmann